Dorothea Steigerwald Replik
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Schlafprobleme bei Säuglingen
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Der Schlaf der Säuglinge und ihrer Eltern
(vierter bis zwölfter Lebensmonat)

   
1. Jetzt beginnt Ihr Kind, nachts länger zu schlafen als tagsüber. Wenn es dabei unruhig erscheint, schaukelt, mit dem Kopf wackelt oder gar den Kopf rhythmisch anschlägt, dann ist das im ersten und zweiten Lebensjahr kein Grund zur Beunruhigung. Mindestens jedes zweite Kind zeigt auf diese Weise, dass sein Nervensystem noch reifen muss, damit es im Schlaf für motorische Ruhe sorgen kann.
2. Fünfzehn Stunden Schlafzeit verteilen sich (bei 70% aller Kinder) auf einen langen Nachtschlaf und zwei Tagesschläfchen, eines am Vormittag, eines am Nachmittag. Der daraus abzuleitende Schlaf Wachrhythmus sollte von den Eltern erforscht und dann sorgsam eingehalten werden. Es ist unsinnig und zumeist mit der Entwicklung von Einschlafproblemen verbunden, wenn Eltern versuchen, ihrem Kind einen "eigenen" Rhythmus beizubringen.
3. In die zweite Hälfte des ersten Lebensjahrs fallen viele "aufregende Ereignisse": Zahnen, Krabbeln, Laufen, Trennungsangst mit "Fremdeln" und Sprechen. Daher kommt es immer wieder zu Durchschlafproblemen, die sich nach ein paar Tagen wieder legen. Die durchbrechenden Zähne machen selten mehr als zwei Nächte hintereinander Schmerzen!
4. Die häufigsten Gründe für Durchschlafprobleme gesunder Kinder in diesem Alter sind - abgesehen von den "aufregenden Ereignissen": Mangelnde Schlafhygiene, "Rechenfehler" der schlafbedürftigen Eltern, die in den frühen Morgenstunden nur ungern akzeptieren mögen, dass ihr Kind schon genug Schlaf bekommen hat...!, ferner Hunger, Schmerzen (Ohrenschmerzen), Unbehagen und Rhythmusstörungen. Bei sehr wenigen Kindern ist es der Vollmond, der die Kinder nachts wach hält. Am Ende des ersten Lebensjahres können mehr als 90% aller Säuglinge durchschlafen.
5. Stillen ist für Mutter und Kind eine wichtige Erfahrung, die das Kind vor allem in den ersten sechs Monaten gegen Infektionskrankheiten schützt und beim Kind ein sicheres Bindungsgefühl fördert, das ihm lebenslang einen Zugang zu innerer Geborgenheit eröffnet.
6. Ab dem vierten Monat nimmt die Neugier eines Säuglings an der Welt sprunghaft zu. Daraus resultiert eine häufigere Unterbrechung der trauten Stillstunden, oft enttäuschend für die Mütter. Dies ist der Moment der zweiten Abnabelung, der "psychischen Geburt des Menschen". Ein Grund, ein erstes Fest der Selbständigkeit zu feiern, gemischt aus Traurigkeit und Freude wie alle Selbständigkeitsfeste, die noch folgen werden.
7. Spätestens ab dem vierten Lebensmonat braucht Ihr Kind feste Nahrung zusätzlich zur Milch. Das Breichen am Abend, nicht als Nachtmahlzeit, erhöht zudem die Chance des Durchschlafens.
8. Bei der Entscheidung, ob Sie Ihr Kind mit in Ihr Bett nehmen oder nicht, gehen Sie ausschließlich von Ihrer intuitiven Vorstellung darüber aus, was Ihr Kind braucht. Erst wenn Schlafprobleme auftauchen, suchen Sie Rat bei anderen! Nicht umgekehrt!
9. Ab dem vierten Monat können die allermeisten Säuglinge nachts am Stück acht oder zwölf Stunden durchschlafen. Dabei müssen sie aber alle vier Stunden von sich aus wieder in den Schlaf finden. Ihr Weinen und Schreien in dieser Zwischenphase, die unbedingt eine Antwort der Mutter benötigen, bedeuten nicht Hunger, sondern Suche nach Sicherheit wie beim abendlichen Einschlafen. Werden Säuglinge dann gefüttert, so "erlernen" sie ihre ersten Durchschlafprobleme. Daraus folgt: Nicht Schreienlassen und Wieder Einschlafen üben gerade so, wie Sie es am Abend gehalten haben ohne zu füttern!
10. Spätestens ab dem vierten Monat sollte die chronisch übermüdete Mutter streng darauf achten, dass sie mit Unterstützung eines Zweiten (des Vaters z. B. am Wochenende), der sie immer wieder für mindestens zwei Nächte vertreten kann, wieder genügend ungestörten Tiefschlaf findet. Naps am Tage können gegen chronische Übermüdung und Depressivität Wunder wirken. Daher lohnt es sich für Mütter wie Väter, tagsüber die Nap Technik zu üben, während ihr Kind noch das Schlafen lernen muss.